Interview mit der Ernährungsberaterin Katharina M. Meisenstein

Redaktion: Frau Meisenstein, Sie arbeiten in dem Beruf der Ernährungsberaterin schon seit über zehn Jahren und haben vielen Menschen dabei geholfen. Fällt Ihnen nach zehn Jahren die Arbeit mit übergewichtigen Menschen leicht?

Frau Meisenstein: Zunächst einmal muss ich erwähnen, dass nicht nur übergewichtige Menschen meinen Rat wollen, sondern welche, die bereits ihr Idealgewicht haben, sich aber dennoch zu dick fühlen und vielleicht gerade mal zwei oder drei Kilo abnehmen möchten. Was die Arbeit mit den Menschen angeht, die mit meiner Hilfe abnehmen möchten kommt es immer auf den Kunden selbst an. Mit einigen Menschen verläuft die Arbeit reibungslos und bei anderen kommt man nicht voran.

Redaktion: Warum funktioniert es mit dem Abnehmen bei manchen Kunden nicht so gut wie bei anderen?

Frau Meisenstein: Das kann viele Gründe haben, meistens ist es aber die Motivation, die bei einigen nicht oder nur in geringem Maße vorhanden ist. Manche sind schon von vorne herein demotiviert, wenn man mit ihnen einen Plan erarbeitet, andere sind schnell frustriert, weil sie sich falsche Ziele gesetzt haben.

Redaktion: Was sind denn falsche Ziele beim Abnehmen?

Frau Meisenstein: Viele Menschen verstehen nicht, dass sie nicht so schnell abnehmen können, wie sie zugenommen haben. Aber es ist zum einen ungesund in kurzer Zeit viel Gewicht zu verlieren und zum anderen kann man so eine drastische Abnahme nicht lange halten. Wer wenig Gewicht über einen längeren Zeitraum abnimmt, der nimmt langfristig und gesund ab. Ein gesundes Maß ist ein halbes Kilo pro Woche. Also sind pro Monat 2 Kilo genau richtig.

Redaktion: Warum sind Ihrer Meinung nach manche Menschen überhaupt übergewichtig?

Frau Meisenstein: Die Ursachen für Übergewicht sind vielseitig. Manche Menschen nehmen zu, weil sie sich zu wenig bewegen, andere essen einfach zu viel oder auch das falsche, dann gibt es auch Menschen, die aus Frust essen und wieder andere aus Langeweile. Ein Problem, das immer weiter um sich greift, ist auch das fehlende Wissen über das Essen. Einige Menschen sind ja der Ansicht, dass Light-Produkte zum Abnehmen führen, weil ihnen zum Teil die Werbung genau das suggeriert. Aber leider ist Light kein geschützter Begriff und kann zuckerreduziert, fettreduziert oder kalorienarm bedeuten. Wobei es meist zwischen den Light-Produkten und dem Original kaum Abweichungen gibt. Genau diese und andere Kalorienfallen und Diätmythen sorgen dafür, dass manche Menschen in die Irre geführt werden und sich verkehrt ernähren.

Redaktion: Halten Sie Sport wichtig fürs Abnehmen?

Frau Meisenstein: Ein gewisses Maß an Bewegung ist immer gut, nicht nur fürs Abnehmen, aber der Umfang vom Sport, sprich die Dauer und die Intensität des Sports sollte immer abhängig sein von dem körperlichen Befinden der jeweiligen Person. Bei besonders starkem Übergewicht sind zum Beispiel am Tag 30 Minuten schwimmen oder Fahrrad fahren völlig ausreichend. Joggen mag beispielsweise effektiver zu sein als schwimmen, aber für eine übergewichtigen Menschen ist Joggen erstens viel zu anstrengend und zweitens gänzlich ungeeignet, da die Gelenke beim Joggen um ein Mehrfaches des aktuellen Körpergewichtes belastet werden. Also wer abnehmen möchte erreicht sein Ziel schneller, wenn er Sport treibt, das ist sicher, aber man sollte darauf achten, um welchen Sport es sich handelt. Und wenn man viel Sport treibt, sich aber immer noch falsch ernährt, dann funktioniert es auch nicht. Die Methode muss schon richtig sein.

Redaktion: Und mit welcher Methode nimmt man am besten ab?

Frau Meisenstein: Im Prinzip kann man mit jeder existierenden Diät abnehmen. Mann muss nur auf die individuellen Bedürfnisse Rücksicht nehmen. Wer beispielsweise mittags immer in der Kantine essen geht, der braucht keine Diät beginnen, die mit Kalorien zu tun hat. Oder nehmen wir jemanden, der liebend gerne mal eine Pellkartoffel mit Fisch isst, dem nützt die Trennkost gar nichts. Ich muss die Diät quasi so gestalten, dass sie dem Kunden nicht lästig wird. Wer sich morgens schon aus dem Bett quält und voller Grauen an seine Diät denkt, der wird sie garantiert auch schnell wieder abbrechen. Hat man hingegen Freude an der Diät, weil man nach und nach die Erfolge sieht und die Diät selbst angenehm erscheint, dann hält man sie auch lange durch. Wie meine Großmutter immer sagte: Die beste Diät ist die, die man ein Leben lang durchhalten kann.

Redaktion: Schafft man es denn für jeden die richtige Diät zu finden?

Frau Meisenstein: Es ist nicht immer so einfach, denn wie gesagt liegt es auch an der Motivation und auch der Disziplin des Kunden. Manche nehmen sich vor diese Diät durchzuhalten und machen dann doch die eine oder andere Ausnahme.

Redaktion: Also sind Ausnahmen generell schlecht?

Frau Meisenstein: Ich sag es mal so: Wenn man auf einer Feier ist oder sonst einen besonderen Tag feiert, dann sind Ausnahmen durchaus angemessen. Wer sich aber jede Woche oder täglich eine Ausnahme gönnt, der hat entweder an der Diät keine Freude oder will im Grunde genommen gar nicht abnehmen. Das mag jetzt hart klingen, aber schon ein kleiner Schokoriegel kann alles durcheinander bringen. Nehmen wir an, wir haben eine regelrechte Naschkatze, die nicht ohne Schokolade kann und man hat mit ihr einen Plan erarbeitet in der aber die Schokolade nur in einer bestimmten Menge zu einem vorgesehenen Zeitpunkt vorgesehen ist und die Person sich aber nicht daran hält, sondern zu einer anderen Zeit, dann ist natürlich der Effekt futsch.

Redaktion: Bei welcher Diät wäre es denn sinnvoll Schokolade nur zu einem bestimmten Zeitpunkt zu essen?

Frau Meisenstein: Die Insulin-Trennkost von Dr. Pape, besser bekannt unter dem Namen Schlank im Schlaf, ist so eine Diät. Da darf man morgens Kohlenhydrate und Süßes essen, mittags eine Mischkost mit einem Nachtisch, wenn man mag. Man dürfte also bei dieser Diät morgens und mittags Schokolade, zum Beispiel morgens Nutella aufs Brot und nach dem Mittagessen einen Schokoladenpudding. Dabei ist aber wichtig, dass man nur zu den drei Hauptmahlzeiten isst und nicht zwischendurch. Wenn man dann also zwischen den Mahlzeiten oder eben abends zu einer Ausnahme greift, dann kann man die Diät auch gleich bleiben lassen, denn der Effekt mit dem Insulinausstoß bleibt aus.

Redaktion: Sie sagten zu Anfang, dass man mit jeder Diät abnehmen kann, sind sie denn auch alle gesund?

Frau Meisenstein: Dazu sage ich mal ein klares Jein. Theoretisch könnte ich auch mit Fastfood abnehmen, wenn ich die Kalorien der jeweiligen Produkte kenne und nicht über meinen Grundbedarf komme, aber gesund wäre das mit Sicherheit nicht. Man sagt auch, bei eiweißreichen Diäten mit viel Fleisch, dass Fleisch sich lange im Körper aufhält und dort vom Körper bearbeitet wird, aber generell ungesund ist es nicht. Bei vielen Diäten kommt es auch immer auf den Menschen selbst an, der die Diät machen will. Rohkost war zum Beispiel lange im Trend und dann sagte man wieder, dass es schlecht sei. Das ist aber nicht ganz richtig, denn einige vertragen die Rohkost ausgezeichnet, andere wieder nicht. Wer mit einer Ernährungsform gut zurecht kommt, sich gut fühlt und damit abnehmen kann oder beim Idealgewicht nicht zunimmt, der kann sie auch weiter machen. Wichtig ist nur, dass man von allen Nährstoffen ein gewisses Maß zu sich nimmt. Der Körper braucht nämlich Eiweiß, Kohlenhydrate, Eisen, Vitamine und all die anderen Nährstoffe. Aber sofern man sich an all die Punkte hält, steht dem Erfolg nichts im Wege. Von welchen Diäten ich aber auf jeden Fall abraten würde, sind einseitige Diäten.

Redaktion: Vielen Dank für das Interview, Frau Meisenstein.

Frau Meisenstein: Nichts zu danken, ich hoffe nur, dass ich einigen Lesern helfen konnte.

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